Pünktlich zu Ostern: Auf der Suche nach dem Beckenboden
Statt Schokohasen zu suchen, lohnt sich vielleicht auch einmal die Suche nach dem eigenen Beckenboden.
In meinem Alltag als Physiotherapeutin begegnen mir Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden – manchmal beckenbodenspezifisch, oft aber auch mit ganz anderen Anliegen.
Im Verlauf der Therapie spreche ich dennoch häufig den Beckenboden an, wenn ich vermute, dass er beteiligt sein könnte. Gerade Patient:innen, die nicht gezielt wegen dieses Themas kommen, reagieren darauf oft eher zurückhaltend.
Ein Grund dafür ist häufig ganz simpel:
Es fehlt das Wissen darüber, wo der Beckenboden überhaupt liegt, was er macht und wie er sich anfühlt.
Wo liegt der Beckenboden?
Der Name gibt bereits einen Hinweis:
Der Beckenboden befindet sich am unteren Abschluss unseres Beckens.
Zur Orientierung helfen vier knöcherne Punkte:
die beiden Sitzbeinhöcker (links und rechts)
das Schambein (vorne)
das Steißbein (hinten)
Diese Punkte bilden eine Art Rautenform, zwischen der sich die Beckenbodenmuskulatur aufspannt.
Die Sitzbeinhöcker lassen sich im Sitzen meist gut ertasten. Entweder sind sie direkt auf der Sitzfläche spürbar – oder Sie setzen sich auf Ihre Hände (Handflächen nach oben) und bewegen das Becken leicht vor und zurück, um die knöchernen Punkte zu finden.
Was macht der Beckenboden?
Um die Funktion besser zu verstehen, lohnt es sich, zwischen Aufgabe und Umsetzung zu unterscheiden.
Strukturell betrachtet passiert bei einer Anspannung Folgendes:
die Muskelfasern ziehen von hinten (Steißbein) nach vorne (in Richtung Schambein)
der Beckenboden hebt sich nach oben an
die Körperöffnungen werden verschlossen (After, Harnröhre, ggf. Vagina verengend)
Wichtig dabei:
Diese Bewegung findet im Inneren des Körpers statt und ist von außen nicht sichtbar.
Häufig sehe ich, dass stattdessen die Gesäß-, Bein- oder Bauchmuskulatur angespannt wird. Diese arbeiten zwar mit dem Beckenboden zusammen, sollten aber dennoch von einer gezielten Beckenbodenaktivität unterschieden werden können.
Der Beckenboden arbeitet im Alltag ständig mit
Die Ansteuerung des Beckenbodens passt sich ständig an die jeweilige Situation an.
Je nachdem, ob wir:
stehen
gehen
springen
husten
auf einem Bein stehen
oder etwas Schweres heben
verändert sich auch, wie der Beckenboden arbeitet und wie wir ihn wahrnehmen.
Wahrnehmung und Ansteuerung lernen
Ein wichtiger Bestandteil in der Therapie und im Training ist es, den Beckenboden in unterschiedlichen Ausgangspositionen und Belastungssituationen wahrnehmen und gezielt ansteuern zu können.
Denn Beckenbodengesundheit bedeutet nicht, dass alles „perfekt“ funktionieren muss.
Vielmehr geht es darum, den eigenen Körper besser zu verstehen und einen guten Umgang mit ihm zu entwickeln.
Fazit
Der Beckenboden ist eine oft wenig beachtete, aber sehr wichtige Struktur im Körper.
Schon ein grundlegendes Verständnis darüber, wo er liegt, wie er arbeitet und wie er sich anfühlt, kann ein erster wichtiger Schritt sein – hin zu mehr Sicherheit im eigenen Körper.